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Das konstruierte Ich.

Wer bin ich? Die Frage ist zu langweilig.

Gegenfrage: Wer bin ich nicht?

 

Ich bin nicht das nette Mädchen von nebenan, ich bin nicht der wahrgewordene Traum deiner schlaflosen Nächte und ich bin nicht die Person, die du um ihre Talente beneidest.

Mittelmäßigkeit könnte man mich nennen oder auch ergänzenden Teil unserer Gesellschaft, denn ich bin der Verschnitt; das, was übrig bleibt, wenn man alles Erstrebenswerte negiert.

Ein Strauß alter Lilien auf einem überwachsenen Grab, in dem ein Mensch liegt, der einst viele Erwartungen an diese unsere große und überwältigende Welt hatte, jedoch erkennen musste, dass Streben immer Maskieren bedeutet und der schlussendlich sein eigenes Grab schaufelte, seinen Sarg feinsäuberlich auswählte und sich viel zu früh in seiner letzten Ruhestätte verkrochen hat, weil er den natürlichen Ausgang seiner Geschichte viel zu sehr fürchtet.

Ich bin ein Tropfen Wasser, der sich mit aller Kraft am Hahn hält, weil er sich vorm Fall fürchtet und noch mehr vor dem unvermeidbaren Aufprall in einem sterilen Becken, einer sterilen Welt, die ich von meiner Position durchaus schon erspähen kann, aber deshalb nicht unbedingt kennen zu lernen wünsche.

 

Und du bist nun enttäuscht, weil hier keine Fakten über meinen Geburstag, meine Augenfarbe und meine Hobbies stehen?

Hätten sie dich denn mehr über mich gelehrt, als es das tut, was du hier lesen kannst?

20.10.10 18:02
 


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