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'Cause I know I'm a mess he don't wanna clean up.

he said
'It's all in your head,' and I said, 'So's everything'
But he didn't get it I thought he was a man
But he was just a little boy
Hunger hurts, and I want him so bad, oh it kills
'Cause I know I'm a mess he don't wanna clean up

 Fiona Apple - Paper Bag

 

Vor nicht ganz vier Jahren habe ich meinen ersten Blog mit diesem Lied von Fiona Apple begonnen und nach wie vor hat sich nichts daran verändert, dass es ungemein gut ausdrückt, was ich fühle. Bin ich also stehen geblieben oder bewegen sich meine Probleme einfach nur seit Jahren in einem erbärmlich überschaubaren Rahmen?

Ich bin ein Chaos, das niemand aufräumen möchte, weshalb ich niemandem erst erlaube, die Unordnung zu sehen, denn was wären sie bestürzt, geschockt, enttäuscht und was wäre ich entblößt und einsam, wie eh und je. Chaos zu sein an sich ist nicht so schlimm. Schlimm ist, wenn man hofft, in jemandem eine Aufräumhilfe gefunden zu haben oder zumindest jemanden, der bereit ist, das Ausmaß der Unordnung zu beschauen ohne voller Vorurteile zu sein, und dann fassadenlos vor ihm steht und er nicht versteht, abgeschreckt und haltlos ist. Dieses Verlangen nach Befreiung aus dieser Unordnung, diesem Wahnsinn, dieser unbeschreiblichen Menge an Problemen, diesem Hunger, schmerzt, es zerreißt dich von innen, ist wie die Flut, die gegen die Klippen prallt, aber du musst der Fels sein, du darfst nicht nachgeben; die steten Wellen, die an dich schlagen, darf man dir nie ansehen. Aber diese Leere ist auch alles, was du hast, dein Chaos bist du selbst, weil du dich nicht in aufgeräumtem Zustand kennst. Seitdem du des aktiven Denkens mächtig bist, seitdem du ein Bewusstsein deines Selbst hast, war es immer diese Unordnung, die niemand sehen darf, das Chaos, das man für andere hinter einer schönen Leinwand versteckt und das immer schlimmer, immer intensiver wird, je länger man niemanden hinter diese wunderschöne Prestigewand gelassen hat. Und deshalb ist das einsame Warten in deinem Berg aus ungelösten Angelgenheiten, die dich in den Wahnsinn treiben, alles was du kennst, deine Zuflucht, selbst wenn dir eine kleine Synapse in deinem Kopf flüstert, dass sie trügerisch ist und dir nie wirklichen Schutz bieten wird. Zerissen von dem Wunsch, verstanden zu werden und der Angst, jemand in deine unaufgeräumte chaotische Welt zu lassen, wandelst du in einer wirren Zwischenwelt der Ambivalenz.

Hunger hurts, but starving works, when it costs too much to love.

Hunger ist schmerzhaft, aber hungern hilft, wenn es zuviel kosten würde, zu lieben. Liebe ist teuer, sie bedeutet, im aufrichtigen Falle, die Aufgabe jeglicher Prestigeidentitäten, die man so im Laufe seines Lebens geschaffen hat, um zu gefallen. Und deshalb Hungern wir lieber, ergeben uns einer Logik aus Leere und Selbsthass, um nicht in der Liebe auf Risiko spielen zu müssen. Hm...

 

Ich mag den Winter. Man hat das Gefühl, wenn man die Augen schließt, würde der Schnee einen begraben und man könne, ähnlich einem Eisbär, bis zum Frühjahr einfach in Winterschlaf versinken und müsse sich keine Gedanken mehr um nichts machen. Jetzt gerade wäre ich mal wieder sehr gerne eingeschneit, von meinen Gedanken befreit in einem tiefen Schlaf unter einer meterdicken Schneedecke in surrealen Träumen beheimatet, in denen ich mich, im Gegensatz zu irgendeinem realen Ort, tatsächlich einmal heimisch fühle.

Also gute Nacht.

9.12.10 20:27


Die Unendlichkeit entdecken.

Ich glaube, dass in allem, was wir tun und in jedem einzelnen von uns ein Hauch Unendlichkeit steckt.

Sei es nun unendliches Interesse an einem Thema, unendliche Heuchelei, weil man sich niemals getrauen würde, irgendwem gegenüber ehrlich zu sein oder gar unendliche Langeweile, die das Lesen meiner Zeilen im ein oder anderen wahrscheinlich wecken wird - Unendlichkeit hat viele Formen und ist überall auffindbar.

Heute beispielsweise machte ich die Bekanntschaft von unendlicher Ignoranz und Dreistigkeit. Rief meine Schwester mich doch gegen elf Uhr an, um mir mitzuteilen, sie käme nachmittags mit einer Freundin nach Hause und ihr Zimmer sei nicht aufgeräumt, ob ich mich dessen nicht mal annehmen könnte.

Und nun kann man es Gutmütigkeit oder Dummheit nennen, ich habe ihr zugesagt und ihren Boden betretbar gemacht, ihn anschließend auch noch gesaugt und das Zimmer von Geschirr und Plastikflaschen befreit. Kaum kam meine Schwester dann jedoch heim, erstaunlicherweise ohne freundschaftlichen Anhang, begrüßte sie mich mit gewohnter Herzlichkeit und patzigen Antworten auf nahezu jede Frage.

Meine Mutter, die aktuell aufgrund einer gestern erfolgten Zahnoperation den Tag zuhause verbringt, quartierte sich vor dem TV ein und ergötzte sich am mittaglichen Hartz 4 TV, kann das Schimpfen allerdings nicht unterlassen, als ich darum bitte, ob es sich mit ihren Plänen vereinbaren lässt, wenn ich später Grey's Anatomy schaue. Solch ein dummer Schund! Ja, tatsächlich, vielleicht ist es das, aber ich schaue es so gerne. Photographierte Emotionen nachempfinden fällt mir so viel leichter, als meinen eigenen Ausdruck zu verleihen.

 

Jedenfalls habe ich mich nun in mein Zimmer verkrümelt und überlege, ob ich nicht noch ein bisschen meine Hände mit Handcreme einschmieren soll, die nach Kuchen riecht... (von P2 Ultra Soft Hand Balm mit Lotus-, Ingwer- und Limonen-Extrakt.)

21.10.10 21:07


Das konstruierte Ich.

Wer bin ich? Die Frage ist zu langweilig.

Gegenfrage: Wer bin ich nicht?

 

Ich bin nicht das nette Mädchen von nebenan, ich bin nicht der wahrgewordene Traum deiner schlaflosen Nächte und ich bin nicht die Person, die du um ihre Talente beneidest.

Mittelmäßigkeit könnte man mich nennen oder auch ergänzenden Teil unserer Gesellschaft, denn ich bin der Verschnitt; das, was übrig bleibt, wenn man alles Erstrebenswerte negiert.

Ein Strauß alter Lilien auf einem überwachsenen Grab, in dem ein Mensch liegt, der einst viele Erwartungen an diese unsere große und überwältigende Welt hatte, jedoch erkennen musste, dass Streben immer Maskieren bedeutet und der schlussendlich sein eigenes Grab schaufelte, seinen Sarg feinsäuberlich auswählte und sich viel zu früh in seiner letzten Ruhestätte verkrochen hat, weil er den natürlichen Ausgang seiner Geschichte viel zu sehr fürchtet.

Ich bin ein Tropfen Wasser, der sich mit aller Kraft am Hahn hält, weil er sich vorm Fall fürchtet und noch mehr vor dem unvermeidbaren Aufprall in einem sterilen Becken, einer sterilen Welt, die ich von meiner Position durchaus schon erspähen kann, aber deshalb nicht unbedingt kennen zu lernen wünsche.

 

Und du bist nun enttäuscht, weil hier keine Fakten über meinen Geburstag, meine Augenfarbe und meine Hobbies stehen?

Hätten sie dich denn mehr über mich gelehrt, als es das tut, was du hier lesen kannst?

20.10.10 18:02


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